Wurster: „Wirtschaftliches Wachstum und nicht staatliche Umverteilung ist Grundlage unseres Wohlstands“

Südwestmetall: Bei einer Neuauflage der Großen Koalition müssen beteiligte Parteien mehr Wirtschaft wagen

Erstellt am: 12/15/2017

Villingen-Schwenningen – Der Geschäftsführer der Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Ralph Wurster, mahnt die beteiligten Parteien, bei einer Neuauflage der Großen Koalition einen Politikwechsel hin zu wachstumsfördernden Investitionen und wirtschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen einzuschlagen. „CDU/CSU und SPD müssen bei einer Neuauflage ihres Regierungsbündnisses unbedingt mehr Wirtschaft wagen als in den vergangenen vier Jahren“, sagte Wurster am Donnerstag in Villingen-Schwenningen: „Denn wirtschaftliches Wachstum und nicht staatliche Umverteilung ist die Grundlage von Wohlstand und sozialer Sicherheit.“ In der neuen Legislaturperiode dürfe es deshalb keine weiteren bürokratischen und finanziellen Belastungen der Unternehmen geben.

„Damit die Arbeitskosten am Standort Deutschland nicht denen der Konkurrenz enteilen, müssen die Sozialbeiträge auf jeden Fall unter 40 Prozent des Bruttolohns gehalten werden“, forderte der Arbeitgebervertreter. „Die derzeit gute Situation unserer sozialen Sicherungssysteme hängt direkt mit der aktuellen Rekordbeschäftigung zusammen. Diese Entwicklung dürfen wir nicht dadurch gefährden, dass der Staat den Faktor Arbeit übermäßig verteuert und damit Arbeitsplätze gefährdet.“ CDU und CSU dürften deshalb auf keinen Fall versuchen, eine Regierungsbeteiligung der SPD mit überteuerten Sozialgeschenken zu erkaufen.

„Mehr Chancengerechtigkeit und wirtschaftliche Teilhabe im Land erreicht man nicht, indem man die Sozialausgaben immer weiter aufbläht. Es muss vielmehr gezielt beim Thema Bildung angesetzt werden“, erklärte Wurster: „Gute Bildung ist der beste Schutz gegen Armut und Ungleichheit. Investitionen in den Bildungsbereich sind deshalb gut angelegtes Geld – für den Einzelnen wie für die Gesellschaft insgesamt.“ Denn auch die demografische Entwicklung gebiete es, dafür Sorge zu tragen, dass möglichst jeder junge Mensch die Schule mit einem Abschluss verlässt, um dann über eine betriebliche Ausbildung oder ein Studium guten Zugang zum Arbeitsmarkt zu haben.

Damit die Unternehmen ihren Fachkräftebedarf in Deutschland auch langfristig decken können, müssten einfach alle Beschäftigungspotenziale mobilisiert werden, betonte der Bezirksgruppen-Geschäftsführer: „Deshalb brauchen wir auch eine Investitionsoffensive für flächendeckende Ganztagsbetreuung, damit mehr Eltern und Alleinerziehende vollzeitnah arbeiten können.“ Auch müsse noch mehr dafür getan werden, ältere Menschen möglichst lange im Erwerbsleben zu halten. „Frühverrentungsprogramme müssen durch Anreize ersetzt werden, länger zu arbeiten“, sagte er.

Neben der Fachkräftesicherung müsse auch das Thema Infrastrukturausbau dringend von der neuen Regierung angegangen werden, forderte Wurster: „Unsere Infrastruktur, insbesondere die digitale, muss deutlich leistungsfähiger werden.“ So rangiere Deutschland bei der Breitband-Versorgung nur auf den hinteren Plätzen in der EU. „Das ist eine echte Gefahr für unseren Wirtschaftsstandort. Denn nur eine flächendeckende Versorgung mit Glasfasernetzen sowie die Umsetzung des neuesten Mobilfunkstandards 5G ermöglichen die Anwendungen des digitalen Zeitalters wie das Internet der Dinge, Industrie 4.0 oder automatisierten Straßenverkehr“, sagte er. Ob die Arbeitsplätze der Zukunft in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg entstehen, hänge von einer ausreichend leistungsfähigen digitalen Infrastruktur ab.

„Um das hohe Tempo der digitalen Transformation mitgehen zu können, brauchen unsere Unternehmen zudem endlich eine steuerliche Forschungsförderung wie sie in den meisten entwickelten Volkswirtschaften längst üblich ist“, erklärte der Arbeitgebervertreter. Gleichzeitig müsse das Arbeitsrecht modernisiert werden. „Die starren Regeln aus dem vergangenen Jahrhundert brauchen ein Update für die Arbeitswelt 4.0“, sagte Wurster. Modernen flexiblen Arbeitszeitmodellen würden heute durch die tägliche Höchstarbeitsgrenze von acht beziehungsweise zehn Stunden zu enge Grenzen gezogen. Dasselbe gelte für die gesetzliche elfstündige Ruhezeit zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn. „Die vereinbarte Gesamtarbeitszeit muss im digitalen Zeitalter flexibler und bedarfsgerechter eingesetzt werden können“, forderte er: „Das kommt sowohl den Interessen der Unternehmen und als auch denen der Arbeitnehmer entgegen.“

Südwestmetall
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Datum: 19.10.2018

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